Projekttitel: „Begegnung statt Bildschirm – Interkultureller Dialog durch gemeinsames Handeln“
Kategorie: Humanitäre/Flüchtlingshilfe
Name des Vereins: Verein für interkulturelle Plattform e.V.
PLZ, Ort: Bottrop
Projekt-Internetseite oder Social Media Link:
Ansprechpartner*in: Mustafa Baycan
Projektbeschreibung:
In einer Zeit, in der gesellschaftliche Polarisierung, digitale Vereinsamung und kulturelle Missverständnisse zunehmen, braucht es konkrete Orte der realen Begegnung. Unser Projekt „Begegnung statt Bildschirm“ schafft genau solche Räume: Orte, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam handeln, kochen, gestalten und sich auf Augenhöhe begegnen. Ausgangspunkt war eine Initiative innerhalb eines Sprachkurses. Eine Teilnehmerin organisierte einen interkulturellen Begegnungstag, bei dem sich Kursteilnehmende verschiedener Nationalitäten – unter anderem ukrainische, deutsche und weitere internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer – außerhalb des Unterrichts trafen. Ziel war es, den Austausch nicht nur sprachlich, sondern persönlich und kulturell zu vertiefen. Im Mittelpunkt dieses Treffens stand die gemeinsame Zubereitung von Mantı, einem Gericht, das in unterschiedlichen Kulturkreisen bekannt ist und für Gemeinschaft und familiäre Tradition steht. Die Teilnehmenden bereiteten den Teig vor, füllten ihn gemeinsam und formten die Mantı in Teamarbeit. Dieser praktische Prozess schuf eine natürliche Gesprächsatmosphäre. Während des Kochens erzählten die Beteiligten von ihren Herkunftsländern, von persönlichen Erfahrungen, von Herausforderungen des Ankommens und von ihren Zukunftswünschen. Besonders bewegend war der Austausch mit ukrainischen Teilnehmerinnen, die ihre Erlebnisse und Hoffnungen offen teilten. Das gemeinsame Kochen schuf Vertrauen und Nähe. Sprachbarrieren traten in den Hintergrund, weil gemeinsames Tun verbindend wirkte. Aus einer Lerngruppe wurde eine Gemeinschaft. Diese Erfahrung zeigte deutlich: Interkultureller Dialog entsteht nicht durch Theorie, sondern durch gemeinsame Erlebnisse. Menschen begegnen sich nicht als Vertreter einer Nation, sondern als Individuen mit Geschichten, Gefühlen und Perspektiven. Aus dieser positiven Erfahrung entwickelte sich die Idee, auch jüngere Zielgruppen gezielt einzubeziehen. Gerade unter Jugendlichen ist in den letzten Jahren eine zunehmende digitale Isolation zu beobachten. Viele verbringen einen Großteil ihrer Freizeit online. Reale soziale Begegnungen, handwerkliche Fähigkeiten und gemeinschaftliche Aktivitäten treten zunehmend in den Hintergrund. Die Folgen sind häufig Unsicherheiten im sozialen Miteinander, Rückzugstendenzen und fehlende interkulturelle Kontakte. Unser Projekt reagierte bewusst auf diese Entwicklung mit regelmäßigen analogen Begegnungstagen für junge Menschen. Ziel war es, kreative und kulinarische Formate anzubieten, die Gemeinschaft stärken und gleichzeitig kulturelle Vielfalt erlebbar machen. Die Jugendlichen treffen sich regelmäßig, um gemeinsam zu kochen, handwerklich aktiv zu sein und kulturelle Themen praktisch umzusetzen. Jedes Treffen steht unter einem besonderen Motto. So wurde beispielsweise ein „Korea-Tag“ organisiert. Die Jugendlichen beschäftigten sich mit koreanischer Alltagskultur und bereiteten gemeinsam typische Speisen zu. Neben dem Kochen wurden Hintergründe zu Essgewohnheiten, kulturellen Besonderheiten und gesellschaftlichen Traditionen besprochen. Die Teilnehmenden lernten, Unterschiede neugierig und respektvoll zu betrachten. Ein weiteres Treffen stand unter dem Motto „Italienischer Tag“. Hier stellten die Jugendlichen Pizza und Pasta selbst her. Sie bereiteten Teig zu, experimentierten mit Zutaten und arbeiteten im Team. Dabei entstand nicht nur ein gemeinsames Essen, sondern auch ein Gefühl von Zusammenhalt und Erfolgserlebnis. Neben kulinarischen Angeboten wurden auch kreative Workshops durchgeführt, etwa zur Herstellung eigener Pflegeprodukte wie Duschgel oder einfache handwerkliche Arbeiten. Diese Aktivitäten stärkten Selbstwirksamkeit, praktische Kompetenzen und Teamarbeit. Jugendliche erlebten, dass sie gemeinsam etwas schaffen können – fernab von digitalen Bildschirmen. Der zentrale Gedanke aller Formate ist das gemeinsame Handeln als Brücke zwischen Kulturen. Vielfalt wird nicht abstrakt diskutiert, sondern konkret erlebt. Jugendliche unterschiedlicher Herkunft arbeiten Seite an Seite, tauschen sich aus und entdecken Gemeinsamkeiten. Die Wirkung dieser Treffen ist deutlich spürbar. Neue Freundschaften entstanden, Hemmschwellen wurden abgebaut und gegenseitiger Respekt gefördert. Eltern berichten, dass ihre Kinder motivierter und sozial aktiver geworden sind. Teilnehmende äußerten, dass sie durch die gemeinsamen Aktivitäten neue Perspektiven auf andere Kulturen gewonnen haben. Das Projekt verbindet dabei zwei wichtige gesellschaftliche Aspekte: interkulturellen Dialog und Prävention von sozialer Isolation. Es schafft niedrigschwellige Räume, in denen Gemeinschaft, Vertrauen und Offenheit wachsen können. Besonders wertvoll ist der generationenübergreifende Charakter der Initiative. Während Erwachsene sich bei interkulturellen Kochformaten begegnen, erleben Jugendliche kulturelle Vielfalt durch kreative und praktische Aktivitäten. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz für gesellschaftlichen Zusammenhalt. In einem urbanen Umfeld mit kultureller Vielfalt sind solche Begegnungsformate von großer Bedeutung. Sie fördern Verständnis statt Vorurteil, Austausch statt Abgrenzung und Gemeinschaft statt Parallelität. „Begegnung statt Bildschirm“ steht für eine klare Botschaft: Integration geschieht im Alltag. Sie beginnt dort, wo Menschen gemeinsam lachen, kochen, gestalten und zuhören. Wenn Jugendliche reale Gemeinschaft erfahren, stärken sie soziale Kompetenzen und entwickeln Offenheit gegenüber Vielfalt. Wenn Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam handeln, entstehen nachhaltige Beziehungen. Unser Projekt zeigt, dass Dialog nicht kompliziert sein muss. Er beginnt oft mit einfachen Dingen – mit einem Stück Teig, einer gemeinsamen Aufgabe oder einem Gespräch beim Essen. Doch aus diesen Momenten wächst Vertrauen. Und aus Vertrauen entsteht Zusammenhalt.
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